Landarztquote

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Junge Ärzte frühzeitig für den ländlichen Raum gewinnen

Während auf dem Land zunehmend Hausärzte fehlen, sind einzelne Ballungszentren nach wie vor überversorgt. Es gibt in Baden-Württemberg demnach keinen flächendeckenden Ärztemangel, vielmehr sind die Ärzte nicht dort, wo sie aktuell besonders gebraucht werden – im ländlichen Raum. Hier ist die Politik gefragt, den richtigen Rahmen zu schaffen und konkrete Anreize zu setzen.

Fraktionsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Reinhart

"Die Landarztquote ist die verlässlichste Möglichkeit, um tatsächlich mehr Landärzte für unterversorgte Gebiete zu gewinnen."

Deshalb wollen wir die Landarztquote!

  • Wir wollen, dass 10 Prozent der Medizinstudienplätze im Land an Studentinnen und Studenten gehen, die sich verpflichten, nach ihrem Studium und der einschlägigen Weiterbildung 10 Jahre als Hausärztin oder Hausarzt in einer unterversorgten Region Baden-Württembergs zu arbeiten.
  • Wir wollen die bestehenden 1.500 Medizinstudienplätze an den Universitäten in Baden-Württemberg um 10 Prozent aufstocken. Diese 150 Studienplätze sollen dann an angehende Landärzte vergeben werden. Die Landarztquote nach unserem Konzept nimmt niemandem etwas weg. Sie schafft vielmehr einen zusätzlichen Zugang zum Arztberuf.
  • Für die Landarztstudentinnen und -studenten gelten neben der Abiturnote auch noch andere Auswahlkriterien. Es soll vor allem auf die einschlägige berufliche Vorbildung und für die Hausarzttätigkeit wichtige soziale Kompetenzen ankommen. Damit öffnen wir das Medizinstudium auch für Menschen, die zwar kein Einserabitur, aber bereits Qualifikationen als Krankenschwester oder Krankenpfleger haben.

So funktioniert die Landarztquote in anderen Bundesländern

Nordrhein-Westfalen hat bereits 2018 eine Landarztquote eingeführt. Dort wurde die Landarztquote gut angenommen. Zum Wintersemester 2019/2020 haben erstmals 145 Studentinnen und Studenten ein Medizinstudium in NRW begonnen, die über die Landarztquote ausgewählt wurden. Die Studierenden haben eine Abiturdurchschnittsnote von 2,2 und sind durchschnittlich 24 Jahre alt. Sie haben zuvor mind. 1,5 Ausbildungs- oder Tätigkeitsjahre absolviert, vor allem als Krankenpfleger oder Rettungsassistenten und Notfallsanitäter. Auf einen Landarztquoten-Studienplatz kamen in Nordrhein-Westfalen neun Bewerbungen.

Die Landesregierungen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt haben die Einführung einer Landarztquote bereits beschlossen. In Hessen steht die Landarztquote im Koalitionsvertrag. Auch der Bundesgesundheitsminister, Jens Spahn, fordert die Einführung einer Landarztquote in den Ländern, damit die ärztliche Versorgung in unterversorgten Regionen gesichert werden kann.

Wir verlassen uns nicht allein auf die Landarztquote

Die Landarztquote ist für uns ein Baustein in einem gut sortierten Werkzeugkasten zur Stärkung der ärztlichen Versorgung in der Fläche. So wollen wir nicht nur den Zugang zum Medizinstudium, sondern auch die Inhalte des Studiums stärker auf die hausärztliche Tätigkeit im ländlichen Raum ausrichten.

2010 haben wir bereits gemeinsam mit der damaligen Gesundheitsministerin das erste Programm zur Förderung der Niederlassung von Ärzten in schlecht versorgten Regionen Baden-Württembergs auf den Weg gebracht. Dieses Programm läuft – nach einigen Überarbeitungen – bis heute. Und es wirkt. Hausärztinnen und Hausärzte können bis zu 30.000 € Landesförderung erhalten, wenn sie sich in einer Gemeinde niederlassen, die als Fördergebiet ausgewiesen ist. Dadurch wurden seit 2012 mehr als 130 Mediziner mit 2,5 Millionen Euro dabei unterstützt, eine Praxis im Land zu eröffnen. Die Förderung ist so gefragt, dass die für 2019 vorgesehenen Haushaltsmittel ausgeschöpft sind und wir das Programm im kommenden Doppelhaushalt deutlich aufstocken werden.

Zudem stehen im laufenden Doppelhaushalt 300.000 € für ein Stipendienprogramm zur Verfügung, um angehende Allgemeinmediziner im Studium zu unterstützen, wenn sie bereit sind, anschließend für fünf Jahre in einer als Fördergebiet ausgewiesenen Region ärztlich tätig zu werden.

Und wir verbinden große Erwartungen mit der Nutzung telemedizinischer Lösungen. Hier sind wir in Baden-Württemberg bundesweit Vorreiter, weil wir überzeugt davon sind, dass die unterstützende Nutzung der Telemedizin ein zentraler Baustein zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung in der Fläche werden wird.