22. Wohnungsbau

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DAS HABEN WIR ERREICHT

  • Das Landeswohnraumförderungsprogramm ist mit jährlich 250 Mio. € eines der größten Förderprogramme in der Landesgeschichte.
    Schwerpunkte sind die Mietwohnraumförderung und der soziale Mietwohnraum.
  • Wir haben als beratendes Expertengremium die Wohnraumallianz geschaffen. Sie hat wertvolle Handlungsempfehlungen und Anregungen zur Verbesserung der Wohnraumsituation gegeben.
  • Mit der Reform der Landesbauordnung haben wir Bauen einfacher, schneller und günstiger gemacht.
  • Mit dem neu geschaffenen Kommunalfonds unterstützen wir Städte und Gemeinden bei der Gewinnung neuer Flächen für den Wohnungsbau, damit sie dem Wohnungsmangel vor Ort wirksam begegnen können.

DAS HABEN WIR VOR

  • Unserer Wohnraumpolitik setzt auch in Zukunft den Schwerpunkt auf mehr und vor allem bezahlbaren Wohnraum.
  • Wir wollen die Wohnraum-Allianz fortsetzen.
  • Mit klugen Konzepten wollen wir die Attraktivität des ländlichen Raums und die Innenstadtentwicklung verbessern.

1. BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG

Die Einwohnerzahl Baden-Württembergs ist nach Angaben des Statistischen Landesamtes von rund 10,57 Mio. im Jahr 2012 auf rund 11,00 Mio. Einwohner im Jahr 2017 gestiegen.
Gegenüber 2016 hat sich die Einwohnerzahl in allen Regierungsbezirken Baden-Württembergs erhöht. Für das Land ist in diesem Zeitraum insgesamt eine Bevölkerungszunahme von rund 71.500 Personen zu verzeichnen. Mit 28.410 Personen war der höchste Zuwachs im Regierungsbezirk Stuttgart festzustellen, gefolgt von Karlsruhe mit 16.469, Freiburg mit 14.940 und Tübingen mit 11.713 Personen.
Erwartet wird, dass die Einwohnerzahl im Land bis zum Jahr 2027 weiter auf dann 11,33 Mio. ansteigt, langfristig aber aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung zurückgehen wird.

2. ENTWICKLUNG DER BAU- UND MIETPREISE

Das Bauen wird immer teurer. Für das zweite Quartal 2019 hat das Statistische Landesamt eine Veränderung des Baupreisindex für Wohngebäude von + 4,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2018 und von + 0,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2019 festgestellt. Besonders stark war der Anstieg der Verbauarbeiten mit einem Plus von 7,2 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2018. Nach den Ausführungen der Bauwirtschaft Baden-Württemberg e. V. sind in den deutschen Wachstumsregionen und Ballungsgebieten die Kosten eines beispielhaften mehrgeschossigen Wohnungsbaus von 2000 bis 2017 um 46 Prozent angestiegen.

In Baden-Württemberg steigen seit mehreren Jahren auch die Mietpreise an. Besonders betroffen sind von dieser Entwicklung die Ballungsräume, Groß- und Universitätsstädte. Eine wesentliche Ursache für die Anspannung der Wohnungsmärkte ist das große Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen in diesen Regionen. Es führt zum Zuzug aus dem In- und Ausland und damit zu einer erhöhten Wohnungsnachfrage. Aktuelle Trends, wonach Städte und Ballungsräume als Wohnort besonders beliebt sind, die Zahl der Single-Haushalte und damit der Bedarf an Wohnfläche pro Person zunimmt, verstärken diese Dynamik zusätzlich. Gleichzeitig besteht ein Mangel an geeigneten Flächen für Neubaumaßnahmen, vor allem in den Städten und Ballungsräumen, der den Preisauftrieb für Immobilien und Mieten noch verstärkt.  

3. WOHNRAUMFÖRDERUNG

Mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen ist ein Schwerpunktthema für die CDU-Landtagsfraktion. Diese Herausforderung ist ein Problem, das in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen ist. Wir werden alles dafür tun, ideologiefreie und praxisnahe Maßnahmen umzusetzen, um dem Wohnraumbedarf schnellstens gerecht werden zu können.

Der Bedarf ist gewaltig: Laut Studien besteht in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2020 ein jährlicher Wohnungsneubaubedarf von 54.000 Wohnungen. 

Zudem gilt es, den in den letzten Jahren bereits aufgelaufenen fehlenden Wohnraum zu schaffen. Daher besteht ein Baubedarf von insgesamt 65.000 Wohnungen im Jahr.
Um dieser Problematik sinnvoll begegnen zu können, wurde auf Initiative der CDU-Landtagsfraktion im Juli 2016 die Wohnraum-Allianz Baden-Württemberg gegründet, die wir seither eng begleiten. Jeder Vorschlag zur Verbesserung der Wohnraumsituation wird aufgenommen und überprüft.

4. WOHNRAUM-ALLIANZ BADEN-WÜRTTEMBERG

Die seit Juli 2016 eingesetzte Wohnraum-Allianz Baden-Württemberg, die aus ca. 50 Vertreterinnern und Vertretern der Wohnungs- und Kreditwirtschaft, der kommunalen Spitzenverbände, des Natur- und Umweltschutzes sowie der im Landtag vertretenen Fraktionen besteht, hat in vier Arbeitsgruppen bisher zu den Themen „Finanzierung und Förderung“, „Bauplanungs-recht einschließlich Flächengewinnung“, „Bauordnungsrecht“ sowie „Miet- und Wohnungsrecht“ einige wichtige Handlungsempfehlungen erarbeitet, die zu Teilen bereits umgesetzt wurden.

Die Wohnraum-Allianz ist für die Landesregierung ein wichtiger Partner zur Verbesserung der angespannten Wohnraumsituation in Baden-Württemberg.Seit ihrer Gründung hat die Wohnraum-Allianz mit über 60 Empfehlungen ein Bündel an Maßnahmen formuliert, die zum Teil bereits umgesetzt wurden.
Sie hat beispielsweise dazu beigetagen, dass die soziale Wohnraumförderung des Landes mit dem Programm Wohnungsbau BW 2018/2019 noch attraktiver ausgestaltet wurde. Zudem wurde durch sie erstmalig die Einführung einer Nachfrageprämie für Gemeinden bei der Schaffung von neuem Sozialmietwohnraum etabliert.

Auch an der Konzeption des Programms Wohnungsbau BW 2020/2021 sowie der derzeit laufenden Novellierung des Landeswohnraumförderungsgesetzes und der bereits abgeschlossenen Novellierung der Landesbauordnung war die Wohnraum-Allianz maßgeblich beteiligt. 

5. KOMMUNALFONDS

Eine der zentralen Herausforderungen beim Thema Wohnraumversorgung ist neben der Aktivierung ungenutzten Wohnraums die Gewinnung geeigneter Wohnbauflächen. Um den Kommunen und allen beteiligten Akteuren eine bestmögliche Unterstützung anbieten zu können, wurde mit den Mitteln des Kommunalfonds bei der Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH ein Kompetenzzentrum Wohnen BW als zusätzliche Anlaufstelle eingerichtet, die der Vernetzung, der Information und der ergänzenden Förderung dienen soll. Von ihr sollen Initiativen entwickelt werden, vor allem für die Gewinnung von Flächen, gute Planungspraxis, Innovationen im Bau und die Aktivierung bestehenden Wohnraums. 

Ziel dieses Grundstücksfonds ist es, dem Land zugunsten finanzschwächerer Gemeinden den (Zwischen-)Erwerb von Grundstücken zu ermöglichen, die in ihrer Gemarkung auf den Markt kommen. Gemeinden, die nicht in der Lage sind, selbst entsprechend tätig zu werden, soll damit eine aktive Grundstückspolitik zugunsten von mehr preisgünstigem, insbesondere sozial gebundenem Wohnraum ermöglicht werden. 

6. WOHNRAUMFÖRDERUNGS- PROGRAMM

Schwerpunkt des Förderprogramms Wohnungsbau BW 2020/2021 liegt weiterhin im Bereich der Mietwohnraumförderung. Für das Förderprogramm Wohnungsbau BW 2020/2021 steht ein Bewilligungsvolumen in Höhe von rund 249,5 Mio. Euro je Haushaltsjahr (bereits seit zur 2016 steht dieses Volumen jährlich zur Verfügung).
Damit hat die CDU-Landtagsfraktion bereits im ersten Jahr deutliche Zeichen gesetzt. Der Förderrahmen für das Landeswohnraumförderungsprogramm ist einer der größten in der Geschichte des Landes. Im dem seit 2016 geltenden neuen Förderprogramm wurde ganz klar ein Schwerpunkt auf die Mietwohnraumförderung und insbesondere auf die soziale Mietwohnraumförderung gelegt. Zudem wurden die Förderansätze der Mietwohnraumförderung des bisherigen Landeswohnraumförderungsprogramms mit dem Programm „Wohnraum für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive“ zusammengeführt. Ein Programm, das alle Wohnungssuchende unterstützt. Neu ist auch, dass die Förderungen landesweit erfolgen, ohne nach bestimmten Kategorien zu differenzieren.
Für die Programmjahre 2020/2021 wurden zusätzliche Ergänzungen und Änderungen gegenüber dem Förderprogramm Wohnungsbau BW 2018/2019 vorgenommen, die insbesondere darauf abzielen, allgemein nutzbaren sozial gebundenen Mietwohnraum für Haushalte zu schaffen, die vor allem aufgrund geringeren Einkommens bei der Wohnungssuche benachteiligt und deshalb auf staatliche Hilfe angewiesen sind. 

Das Programm Wohnungsbau BW 2020/2021 sieht folgende wesentliche Änderungen vor:  

6.1 Neue Förderlinie „Wohnungsbau BW – kommunal“ 

Die zur bekannten Wohnraumförderung des Landes ergänzte Förderlinie „Wohnungsbau BW – kommunal“ unterstützt gezielt Gemeinden beim Aufbau eines kommunalen Mietwohnungsbestandes. Mit dieser Ergänzung wird es den Gemeinden ermöglicht, mit verstärkter finanzieller Hilfe des Landes vorhandenen Wohnungsbedarf in eigener Verantwortung zumindest teilweise zu decken. Mit dieser Verstärkung und Verdichtung der Förderstrukturen des Landes können zugunsten einkommensschwächerer Haushalte Lücken geschlossen werden. „Wohnungsbau BW – kommunal“ ist damit eine passgenaue Ergänzung des allgemeinen Programms der Wohnraumförderung des Landes, die sich ausschließlich an die Gemeinden selbst richtet und gleichzeitig eine (Mindest-)Bindungsdauer von 30 Jahren, einem Mietabschlag von mindestens 20 Prozent gegenüber der ortsüblichen Vergleichsmiete und einer neuen Anforderung an eine Haltedauer seitens der Kommune von mindestens 40 Jahren verbindet. 

6.2  Neue Förderlinie „Wohnungsbau BW – Mitarbeiterwohnen“

Mit dieser ergänzenden Förderlinie soll die bestehende Wohnungsknappheit speziell bei der Fachkräftegewinnung und -sicherung verringert werden. Es sollen zusätzliche Investoren gewonnen werden, die nur zugunsten von Beschäftigten einzelner oder mehrerer Unternehmen und unter Einräumung spezifischer Belegungsrechte, Sozialbindungen neuen Wohnraum schaffen wollen. Investoren können auf diese Weise unter Einbindung eines Mindestfinanzierungsbeitrages von Unternehmen Belegungsbindungen zugunsten von deren Beschäftigten freisetzen, sofern diese die allgemeinen Zugangsvoraussetzungen für sozialen Mietwohnraum erfüllen. 

7. WOHNUNGS- UND BAURECHT - GESETZES- UND VERORDNUNGSVORGABEN DER LANDES

Novellierung des Landeswohnraumförderungsgesetzes |
Das seit seinem Inkrafttreten unveränderte Landesgesetz zur Förderung von Wohnraum und Stabilisierung von Quartierstrukturen (Landeswohnraumförderungsgesetz – LWoFG) vom 11. Dezember 2007 soll überarbeitet und angepasst werden. Ziel der Novellierung ist es, die soziale Wohnraumförderung hinsichtlich der Schaffung und Erhaltung von bezahlbarem Wohnraum zu stärken und den Gesamtbestand an gefördertem Wohnraum dauerhaft zu sichern. Zudem ist die Schaffung einer Rechtsgrundlage für den Aufbau und die Einführung eines landesweit einheitlichen EDV-Verfahrens zur Speicherung und Überwachung von Belegungs- und Mietbindungen in Form einer elektronischen Wohnungsbindungskartei vorgesehen.

7.1 Änderung des Zweckentfremdungsverbotsgesetzes 

Das Gesetz über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum (Zweckentfremdungsverbotsgesetz – ZwEWG) vom 19. Dezember 2013 dient der Bekämpfung von örtlichem Wohnraummangel. Es ermöglicht den Städten und Gemeinden mit Wohnraummangel, durch den Erlass kommunaler Satzungen mit einer Geltungsdauer von jeweils höchstens fünf Jahren die Umwandlung von Wohn- in Gewerberäume oder Ferienwohnungen, den Leerstand oder Abriss von Wohnraum der Genehmigungspflicht zu unterwerfen und Verstöße durch Bußgeld zu sanktionieren.
Zudem werden Regelungen mit aufgenommen, um der zunehmenden Zweckentfremdung von Wohnraum durch Vermietung als Ferienwohnungen über Onlineportale entgegenzuwirken. Seitens der Landesregierung wird die Einführung einer bußgeldbewehrten Auskunftspflicht für Betreiber von Internetportalen für Ferienwohnungen geprüft.  

7.2 Verlängerung der Landesverordnungen zur Mietpreisbremse, zur Kappungsgrenze und zur Kündigungssperrfrist 

Die Mietpreisbegrenzungsverordnung vom 29. September 2015 ist aufgrund der bundesrechtlichen Ermächtigung im Bürgerlichen Gesetzbuch befristet bis zum 31. Oktober 2020. Im Hinblick auf eine Entscheidung des Landgerichts Stuttgart vom 13. März 2019, wonach die Landesverordnung wegen unzureichender Veröffentlichung der Begründung unwirksam sei, wird eine neue Verordnung erlassen. Dabei soll das zugrunde liegende Datenmaterial über die Wohnungsmärkte aktualisiert werden, um auf dieser Grundlage die neue Gebietskulisse für den räumlichen Anwendungsbereich der Mietpreisbremse zu bestimmen.
Wesentlicher Inhalt der Verordnung ist die Nennung der 89 Städte und Gemeinden, in denen ein angespannter Wohnungsmarkt vorliegt. In diesen 89 Städten und Gemeinden darf die Wohnraummiete zu Beginn des Mietverhältnisses die ortsübliche Vergleichsmiete um höchstens zehn Prozent übersteigen.
Das aktualisierte Datenmaterial über die Wohnungsmärkte in Baden-Württemberg findet gleichzeitig Verwendung für eine neue Gebietskulisse im Rahmen einer Verlängerung der Kappungsgrenzenverordnung und der Kündigungssperrfristverordnung, die beide jeweils auf fünf Jahre bis zum 30. Juni 2020 befristet sind und bis 2025 verlängert werden.

7.3 Landesbauordnung 

Mit der Novellierung der Landesbauordnung wurden folgende Ziele verfolgt:

  • Vereinfachung der bauordnungsrechtlichen Vorschriften
  • Digitalisierung der baurechtlichen Verfahren
  • Erhöhung der Nachhaltigkeit im Bauordnungsrecht

Wesentliche Gesetzesänderungen:

  • Ermöglichung dickerer Wärmedämmung im Gebäudebestand Nachträgliche Wärmedämmungen eines bestehenden Gebäudes bleiben bei der Berechnung der Abstandsflächen außer Betracht, wenn sie nicht mehr als 0,3 m hervortreten.
  • Geringere Abstandsflächen bei urbanen Gebieten
    Eine verdichtete Bebauung wird ermöglicht, indem geringere Abstandsflächen zugelassen werden.
  • Vereinfachung der Kinderspielplatzpflicht
    Die Kinderspielplatzpflicht gilt erst bei Gebäuden mit mehr als drei Wohnungen (bisher zwei). Diese Regelung kann durch Kommunen geändert werden. Künftig reicht auch das Freihalten einer ausreichend großen Fläche für Spielraum aus, zudem kann durch Zahlungen an die Kommune die Verpflichtung abgelöst werden.
  • Erleichterungen beim Holzbau
    Zukünftig sind auch Gebäude über 7 m Höhe in Holzbauweise erstellbar, da mit der Gesetzesklarstellung sichergestellt wird, dass die Rauchdichtigkeit auch dann gewährleistet ist, wenn eine unschädliche Menge Rauch übertragen wird.
  • Flexibilisierung der Barrierefreiheit
    Barrierefrei herzustellende Wohnungen (bei Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen) sollen anders als bisher auf mehreren Geschossen verteilt liegen können. Die Regelung wird auf Mischgebäude ausgeweitet.
  • Erleichterung der Aufstockung zur Schaffung von Wohnraum
    Durch Aufstockung zur Schaffung von Wohnungen werden keine neuen Anforderungen an Barrierefreiheit und die Anzahl der Fahrrad- und Kfz-Stellplätze ausgelöst.
  • Fahrradstellplätze
    Durch die Streichung der Fahrradstellplatzregelung und Einführung eines bedarfsorientierten Modells  wird ermöglicht, dass künftig die zuständigen Baurechtsbehörden vor Ort je nach Bedarf im Einzelfall über die erforderliche Anzahl von Fahrradstellplätzen bei Wohnungen entscheiden können.
  • Streichung der Flächen zum Wäschetrocknen
    Die Pflicht für Flächen zur gemeinschaftlichen Nutzung zum Wäschetrocknen bei Gebäuden mit mehr als zwei Wohnungen wird gestrichen.
  • Fassadenbegrünung
    Die Regelung zur Fassadenbegrünung bleibt unverändert: Demnach sind Gebäude zu begrünen, sofern eine Begrünung oder Bepflanzung der Grundstücke nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist. Wirtschaftliche Zumutbarkeit wird berücksichtigt. Hinweis: Kommunen können schon nach derzeitiger Regelung über kommunale Ausnahmevorschriften abweichen.
  • Waldabstandsgebot
    Gebäude und Feuerstätten müssen weiterhin von Wäldern 30 m entfernt sein.
  • Regelung des Bestandsschutzes bei Tierhaltungsanlagen
    Die Möglichkeiten der Innenentwicklung in innerörtlichen Lagen ländlicher Kommunen soll durch eine Neuregelung des Bestandsschutzes bei langjährig nicht mehr genutzten innerörtlichen Tierhaltungsanlagen verbessert werden. Damit soll neues Wohnbauland geschaffen werden.
  • Ladestationen für Elektrofahrzeuge
    Künftig werden in Nichtwohngebäuden Anschlüsse für Ladesäulen vorgesehen.

7.4 Beschleunigung der baurechtlichen Verfahren 

  • Förderung des vereinfachten Baugenehmigungsverfahrens
    Gilt für Wohngebäude der Gebäudeklassen bis 3 (bis 7 m Fußbodenhöhe des obersten Geschosses)
  • Einführung der Einreichung der Bauvorlagen bei der Baurechtsbehörde
    Einreichung der Bauvorlagen kann künftig direkt bei der Baurechtsbehörde erfolgen.
  • Klarstellung des Zwecks der Anhörung der Fachbehörden
    Zu beteiligende Träger öffentlicher Belange werden im baurechtlichen Verfahren nicht um Stellungnahme gebeten, sondern nur zur Klärung, ob öffentlich-rechtliche Vorschriften der Baugenehmigung entgegenstehen.
  • Neuregelung der Fristen bei Nachreichung fehlender Unterlagen
    Bei behördlichen Nachforderungen soll mit Eingang der Unterlagen der Fristenlauf fortgesetzt werden.
  • Streichung der Möglichkeit zur Fristverlängerung im vereinfachten Verfahren
    Die Fristverlängerung zur Abgabe von Stellungnahmen durch berührte Träger öffentlicher Belange von einem Monat wird gestrichen.
  • Zulassung der digitalen Baugenehmigung
    Die Schriftformerfordernisse werden weitestgehend aufgehoben, die Nutzung einfacher elektronischer Kommunikation, auch ohne elektronische Signatur, soll geschaffen werden.
    Der Normenkontrollrat hat ermittelt, dass durch die Änderungen bei der Landesbauordnung eine Entlastung von insgesamt rund 98,6 Mio. Euro entsteht.

8. STÄDTEBAULICHE ERNEUERUNG

Seit knapp 50 Jahren legt die Städtebauförderung die Grundlagen für eine zukunftsfähige und nachhaltige Weiterentwicklung der Städte und Gemeinden, ihrer Infrastruktur und der Wirtschaft. Städte und Gemeinden verändern sich dynamisch und stehen vor erheblichen Herausforderungen. Technologische Innovationen und Digitalisierung verändern das Lebensumfeld in den Kommunen, Veränderungen im Einzelhandel machen eine neue Flächennutzung nötig, und der demografische Wandel verändert die Gesellschaft und ihre Ansprüche.
Die Städtebauförderung kann durch den umfassenden, flexiblen Zuschnitt auf aktuelle Entwicklungen reagieren. Durch ihren integrativen und beteiligungsorientierten Ansatz greift sie die Bedürfnisse der Menschen nach zukunftsfähigen und lebenswerten Quartieren auf. Der Städtebauförderung wird auch von Seiten des Bundes weiterhin Bedeutung zugemessen. Die deutliche Erhöhung der Bundesmittel in der Städtebauförderung wurde in den Jahren 2018 mit einem Anteil in Höhe von rd. 101,16 Mio. Euro und 2019 in Höhe von 100,866 Mio. Euro für das Land Baden-Württemberg verstetigt. Auch die bewilligten Landesmittel stiegen auf mittlerweile 140,2 Mio. Euro.

Die Städtebauförderung löst erhebliche private und öffentliche Investitionen aus und setzt wirtschaftliche Impulse. Wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass jeder eingesetzte Förderbetrag durchschnittlich ein mehr als achtfaches Investitionsvolumen mobilisiert. Arbeitsplätze im örtlichen und regionalen Bau- und Ausbaugewerbe sowie in anderen Wirtschaftszweigen und im Dienstleistungsbereich werden dadurch gesichert. 

Die Förderschwerpunkte der städtebaulichen Erneuerung orientieren sich an den aktuellen Herausforderungen der Kommunen und gelten für alle Programme der Stadterneuerung:

  • Schaffung von Wohnraum 
  • Stabilisierung und Aufwertung bestehender Gewerbegebiete
  • Sicherung und Verbesserung des sozialen Zusammenhalts und der Integration als wichtiger Teil der Daseinsvorsorge
  • Maßnahmen zur Anpassung vorhandener Strukturen an den demografischen Wandel 
  • Stärkung, Revitalisierung und Erhalt der Funktionsfähigkeit bestehender Zentren
  • Neustrukturierung und Umnutzung leerstehender, fehl- oder mindergenutzter Flächen und baulich vorgenutzter Brachflächen
  • Ganzheitliche ökologische Erneuerung
  • Aufwertung des öffentlichen Raumes und des Wohnumfeldes 

9. DENKMALPFLEGE

Mehr als 96.000 Bau- und Kunstdenkmale sowie über 82.000 archäologische Denkmale in Baden-Württemberg stehen für die reiche Geschichte des Landes. Baden-Württemberg gehört zu einer der vielfältigsten Kulturlandschaften in Deutschland. Diese Kulturdenkmale in ihrer baukulturellen Einzigartigkeit und historischen Aussagekraft für heutige und kommende Generationen weiterhin erlebbar zu machen ist eine Aufgabe von Denkmalschutz und Denkmalpflege, der in Baden-Württemberg Verfassungsrang zukommt (Artikel 3c Landesverfassung).

Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmalen haben die besondere gesetzliche Verpflichtung, diese Denkmale im Rahmen des Zumutbaren zu erhalten und pfleglich zu behandeln. Die Denkmalförderung des Landes trägt durch die Gewährung von Zuschüssen dazu bei, diese Lasten, die im Interesse der Allgemeinheit auferlegt sind, teilweise auszugleichen. Zu den Zuschussempfängern zählen private, kommunale und kirchliche Denkmaleigentümer und -besitzer.
Die Denkmalpflege finanziert sich ausschließlich aus dem Aufkommen der staatlichen Wetten und Lotterien, aus Landesmitteln und aus Kostenerstattungen Dritter. Sie verbessert die urbane Infrastruktur und fördert nachhaltige städtebauliche Entwicklung sowie den Tourismus. Erhaltungsmaßnahmen an denkmalgeschützten Gebäuden unterstützen zudem wegen der hohen Arbeitsintensität der Sanierungsmaßnahmen vor allem das lokale Handwerk und Architekten, die vor Ort mit deren Planung bzw. Umsetzung beauftragt werden können. 

Die im Jahr 1985 gegründete Denkmalstiftung Baden-Württemberg – eine Stiftung des bürgerlichen Rechts – zielt neben der staatlichen Denkmalförderung darauf ab, die Erhaltung von Kulturdenkmalen zu fördern. Sie unterstützt vorrangig private Initiativen, also hauptsächlich das private und bürgerliche Engagement in der Denkmalpflege. Das Land hat in die Stiftung ein Stiftungskapital in Höhe von 25,56 Mio. Euro eingebracht. Insgesamt sind der Stiftung bereits über 7,0 Mio. Euro an Spenden zugewandt worden. Seit 2013 ist die Stiftung auch Destinatär der Lotterie „GlücksSpirale". Damit konnte dauerhaft zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen beigetragen werden. 

10. UNESCO– WELTKULTURERBE BADEN-WÜRTTEMBERG

Mit der Eintragung der „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ in die Welterbeliste der UNESCO im Juli 2017 verfügt Baden-Württemberg über sechs Weltkulturerbestätten, die sich zeitlich von der Altsteinzeit bis in die Moderne erstrecken. Die weiteren Stätten sind die prähistorischen Pfahlbauten am Bodensee und in Oberschwaben (seit 2011), der obergermanisch-raetische Limes (seit 2005), die Klosterinsel Reichenau (seit 2000), die Klosteranlage Maulbronn (seit 1993) sowie zwei Le Corbusier-Häuser der Stuttgarter Weißenhofsiedlung (seit 2016). Die Landesdenkmalpflege betreut die Welterbestätten fachlich-konservatorisch und beteiligt sich an deren Erforschung und Vermittlung. Deutschlandweit gibt es aktuell 42 Welterbestätten.