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28.09.2017

Zum Wohle der Bienen - die Arbeit der Landesanstalt für Bienenkunde

Zum Wohle der Bienen - Priv. Doz. Dr. Peter Rosenkranz von der Landesanstalt für Bienenkunde zu Gast im Arbeitskreis Umwelt, Klima und Energiewirtschaft der CDU-Landtagsfraktion

Am 28. September 2017 war der Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde Priv. Doz. Dr. Peter Rosenkranz zu Gast im Arbeitskreis Umwelt, Klima und Energiewirtschaft der CDU-Landtagsfraktion. Der Arbeitskreis, der sich im Rahmen der Biodiversitätsstrategie des Landes mit konkreten Projekten auch zum Wohle der Insekten einsetzen möchte, war daran interessiert, sich von einem ausgewiesenen Experten über den aktuellen Sachstand zu informieren. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Paul Nemeth MdL dankte Herrn Dr. Rosenkranz daher sehr für sein Kommen. Paul Nemeth hob dabei hervor, dass Herr Dr. Rosenkranz aufgrund der Verzahnung seines Forschungsbereichs mit den landwirtschaftlichen Fachbereichen der Universität, stets auch die landwirtschaftlichen Interessen im Blick habe.

Herr Dr. Rosenkranz beeindruckte gleich zu Beginn seiner Ausführungen mit einer Zahl. Dank der  Einordnung des weltweiten Bestäubungswerts von rund 250 Mio. Euro vermittelte er den Zuhörern ein Gefühl zur wirtschaftlichen Dimension unserer Insektenwelt. Interessant war daher sein Hinweis, dass sich mit der Optimierung der Bestäubung die Produktionen erhöhen ließen, ohne die Notwendigkeit, Dünger oder Pestizide einzusetzen. Nachvollziehbar, dass aus seiner Sicht der Frage nach Optimierungsmöglichkeiten der Bestäubung noch zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Neben der Honigbiene, erläuterte Peter Rosenkranz, gebe es rund 600 wilde Bienenarten in Deutschland, die als natürliche Bestäuber bezeichnet werden. Da die freilebende Honigbiene quasi ausgestorben sei und auch die natürlichen Bestäuber im Bestand abgenommen hätten, gewinne die Honigbiene immer mehr an Bedeutung. Herr Dr. Rosenkranz stellte klar, dass sich das medial diskutierte Bienensterben trotz vorliegender Rückgänge nicht auf die Honigbiene beziehen lasse. Die Anzahl der Honigbienenvölker hänge von unterschiedlichen, auch wirtschaftlichen Faktoren ab und sei kein guter Indikator für bestimmte Umweltbedingungen. Der Rückgang insbesondere an wilden Insekten in Biodiversität und Biomasse sei dagegen Fakt, obwohl es im Vergleich zur Honigbiene dazu wenig belegende Zahlen geben würde.

Als die wichtigsten Ursachen für das Insektensterben nannte Herr Dr. Rosenkranz die veränderte Landnutzung und den Landschaftsverbrauch, beispielsweise durch die Landwirtschaft aber auch durch verstärkte Baunutzung. Dadurch veränderten sich die Biodiversitätsstrukturen bei den Pflanzen und den Insekten fehlten Nahrung und Raum. Auf den verbliebenen Flächen werde zudem intensiver gewirtschaftet und in der Tendenz sei auch der Fruchtwechsel weniger geworden.

Zum Thema Pestizide merkt Herr Dr. Rosenkranz an, dass es gerade der Zweck von Insektiziden sei,  schlecht für Insekten zu sein. Neonicotinoide als die bienengiftigsten Wirkstoffe, die derzeit im Umlauf seien, seien daher in der Anwendung sehr schwierig. Dabei gemachte Fehler hätten schwere Folgen. Insgesamt würden Pestizide bei Honigbienen weniger eine Rolle spielen, da deren Völker eine enorme Pufferwirkung hätten. Was nicht heißen würde, dass sich im Pollen der Honigbienen nicht ein ganzer „Cocktail“ an Stoffen finden lasse. Für die wildlebenden Insekten, die einzeln auftreten, seien diese Stoffe deutlich problematischer. Dennoch gebe es keine harten Zahlen.

Um die Situation für Insekten zu verbessern wünscht sich  Herr Dr. Rosenkranz nach eigener Aussage eine „Entspannung auf dem Land“ durch mehr extensive Bewirtschaftung. Das Greening hält er für einen guten Ansatz. Baden-Württemberg habe immerhin den Vorteil, im Gegensatz zu anderen Bundesländern noch über eine kleinstrukturierte Landwirtschaft zu verfügen. Bereits mit kleinen Veränderungen, wie unterschiedliche Mähzeiten im kommunalen Grünbereich oder Blühstreifen könnte dabei viel erreicht werden.