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30.06.2017

Precision Farming / Smart Farming

Anhörung der Arbeitskreise „Ländlicher Raum und Verbraucherschutz“ und „Umwelt, Klima und Energiewirtschaft“ der CDU Fraktion Baden-Württemberg zum Thema „Precision Farming / Smart Farming“

Nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Landwirtschaft spielt die Digitalisierung eine immer bedeutendere Rolle. Diese Entwicklung bietet enorme Chancen, aber auch Herausforderungen für die Landwirtschaft. Dazu hatten die Arbeitskreise Ländlicher Raum und Verbraucherschutz sowie Umwelt, Klima und Energiewirtschaft der CDU-Landtagsfraktion unter der Leitung von Dr. Patrick Rapp MdL und Paul Nemeth MdL am 27. Juni 2017 vier Referenten in den Landtag eingeladen, die jeweils ihre Sicht auf das Thema darstellten. Weitere Gäste der gut besuchten Anhörung waren neben Landtagsabgeordneten Vertreter aus landwirtschaftlichen Verbänden und Organisationen sowie der Verwaltung.

Zu Beginn erklärte Prof. Dr. Hans W. Griepentrog vom Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim, worum es begrifflich bei Precision und Smart Farming gehe. Wichtig war ihm der Hinweis, dass es sich dabei um eine Entwicklung in der Digitalisierung der Landwirtschaft handeln würde und nicht um eine Industrialisierung. Essentiell war dabei seine klare Einordnung, dass es letztlich um den Menschen gehe, der in der Landwirtschaft auch künftig nicht komplett ersetzt werden könne. Die Probleme bei der Umsetzung einer Landwirtschaft 4.0 sah Prof. Dr. Griepentrog  vor allem in einer nach wie vor mangelnden Nachfrage bezüglich der Teilschlagtechnik. Einen Schub erhoffe er sich durch eine deutliche Zunahme verfügbarer Informationen durch Big Data.

Dr. Hansjörg Weber vom Landesverband der Maschinenringe e.V. zeigte auf, dass viele Dienstleistungen seines Vereins heute schon oder in der Zukunft digital abgewickelt werden könnten. Er ist zudem der Auffassung, dass die Einspareffekte für die Landwirte künftig die Ausgaben überwiegen würden, wodurch ein unmittelbar spürbarer Vorteil entstünde. Letztlich werde es darum gehen müssen, auch kleinen und mittleren Betrieben die neuen Techniken zugänglich zu machen.

Als Vertreter der Industrie durften die Arbeitskreise Dr. Bernhard Schmitz von der AGCO GmbH/Fendt begrüßen. Er präsentierte, welche Smart Farming Dienstleistungen schon heute von der Industrie angeboten werden und bei welchen noch großes Potenzial besteht. Dabei wurde deutlich, dass Service eine immer größere Rolle spielt. Dr. Schmitz resümierte, dass der Fokus künftig auf den Schnittstellen liegen müsse, damit die einzelnen Schritte in der Wertschöpfungskette miteinander verbunden werden könnten. Was den Datenschutz angehe, habe die AGCO GmbH ein klares Bekenntnis zum Dateneigentum des jeweiligen Landwirts abgegeben.

Michael Glaser vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg veranschaulichte, wie bereits eingesetzte Technik der Teilbreitenschaltung sowie neue Entwicklungen bei dieser zur Einsparung von Einsatzstoffen und damit letztlich zum Umweltschutz beitragen können. Neue Technologien könnten ebenfalls sehr erfolgreich im Obstanbau eingesetzt werden, was für ein Bundesland wie Baden-Württemberg bedeutsam sei.

In der abschließenden Diskussion wurden vorrangig die Themen der Vernetzung, des Datenschutzes und die Rolle der Landwirtschaft in der Bevölkerung behandelt. Den Nutzen von Smart und Precision Farming sahen dabei alle Teilnehmer für die Effizienz der täglichen landnutzenden Arbeit sowie für eine weitere Zunahme der Naturverträglichkeit der Landwirtschaft. Einigkeit bestand darüber, dass die Infrastruktur, vor allem das Mobilfunknetz, ausgebaut werden müsse, woraus ein klarer Auftrag an die Politik formuliert wurde. Außerdem müsse die Datenhoheit bei den Landwirten liegen, auch wenn es schwierig werde, dafür einen rechtlichen Rahmen zu schaffen. In seinem Schlusswort betonte Dr. Rapp MdL noch einmal die Bedeutung einer Biologisierung der Landwirtschaft auch und gerade für deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Precision Farming und Smart Farming könnten dabei eine beachtliche Rolle spielen und aufzeigen, dass Landwirtschaft und Naturschutz keine Gegensätze seien. Auch der zweite Gastgeber Paul Nemeth MdL schloss sich dem an. Letztlich werde insbesondere die biologische Vielfalt von den neuen Entwicklungen profitieren, so sein Fazit. „Unsere Aufträge nehmen wir mit“, war sein abschließendes Signal aus der Politik am Ende einer wertvollen Anhörung im Landtag von Baden-Württemberg.